Dienstag, 19. Oktober 2010

Laß deiner Seele Zeit...

Lass Deiner Seele Zeit,
Verlorenes zu beweinen.
Alles, was du in dir fühlst,
will durchlebt sein:
Angst und Wut,
Trauer und Empörung,
Unsicherheit und Entschlossenheit.
Alles gehört zu dir,
ist Zeichen deines Lebendigseins.
Auch wenn die Angst widerspricht:
Der Tag wird kommen,
da du befreit aufatmen wirst.
Du gehst auf ihn zu
mit jedem Schritt,
den du tust.

(A. S. Nägeli)

Stoppt jede Uhr

W.H. Auden

Stoppt jede Uhr

Stoppt jede Uhr, laßt ab vom Telephon,
Verscheucht den Hund, der bellend Knochen frißt, die roh'n.
Laßt schweigen die Pianos und die Trommeln schlagt,
Bringt heraus den Sarg, ihr Klager klagt.

Laßt die Flieger kreisend - Trauer sei Gebot
An den Himmel schreiben: Er ist tot.
Straßentauben gebt um den Hals starre Kreppkragen,
Polizisten laßt schwarze Handschuh' tragen.

Er war mir Nord, mir Süd, mir Ost und West;
Des Sonntags Ruh' und der Woche Streß
Mein Tag, mein Gesang, meine Rede, meine Nacht.
Ich dachte, Liebe währet ewig - falsch gedacht.

Sterne sind jetzt unerwünscht, will nichts sehn davon,
Verpackt den Mond, zertrümmert die Sonn'.
Fegt weg den Wald und des Meeres Flut,
Nie wird es sein, so wie es war. Nie wieder gut.

Übersetzung aus Vier Hochzeiten und ein Todesfall

Auden

Freitag, 2. Juli 2010

Kein Tag wie der andere

"Kein Tag gleicht dem anderen,
und jeder Morgen besitzt sein eigenes Geheimnis,
den magische Augenblick,
in dem alte Welten unter-
und neue Sterne aufgehen."

(P.Coelho)

Ewigkeit !?

OH Mensch! Gib Acht!
Was spricht die tiefe Mitternacht ?
Ich schlief, ich schlief-,
Aus tiefem Traum bin ich erwacht-
Die Welt ist tief,
Und tiefer als der Tag gedacht.
Tief ist ihr Weh-
Lust - tiefer noch als Herzeleid:
Weh spricht: vergeh!
Doch alle Lust will Ewigkeit - ,
- will tiefe, tiefe Ewigkeit !

Friedrich Nietzsche

Mittwoch, 30. Juni 2010

Abschied


Wenn ich Abschied nehme

Wenn ich Abschied nehme, will ich leise gehn,
keine Hand mehr drücken, nimmer rückwärts
sehn.


In dem lauten Saale denkt mir keiner nach,
dankt mir keine Seele, was die meine sprach.

Morgendämmerung weht mir draußen
um das Haupt,

und sie kommt, die Sonne, der ich doch
geglaubt.


Lärmt bei euren Lampen und
vergisst mich schnell!

Lösche meine Lampe

Bald ist alles hell.



Carl Weitbrecht, 1847 - 1904

Samstag, 24. April 2010

*

Der letzte Beweis von Größe liegt darin,
Kritik ohne Groll zu
ertragen.

Victor Marie Hugo

Donnerstag, 4. Februar 2010

mit dir alt werden...!!!!!

EIN MANN UND EINE FRAU

In einem alten Haus
ein Mann und eine Frau.
Seit Jahrzehnten
wachen sie zusammen,
zählen die Sterne und lachen.
Von einer Nacht zur anderen
flüstern sie miteinander,
in ihr Haar pflanzt er Knospen,
in sein Haar pflanzt sie Früchte.
Zwischen ihnen und den Enkeln
das Brausen der Stürme.

Fuad Rifka
Aus: Das Tal der Rituale